54. NATIONALPARK FOLGEFONNA , NORWEGEN

 

NATIONALPARK FOLGEFONNA ,  VESTLAND  ,  NOREGEN

Größe:  545  km2
Gegründet:  2005
Besucht:  Mai 2026
Am "Buarbreen"- in nur 750 m Seehöhe











Charakteristik:  Ein riesiger, hoch über Hardanger- und Sorfjord thronender Gletscher kann über aussichtsreiche Wanderwege aus den Fjorden und Tälern entlang reißender Gletscherbäche erreicht werden.  Nordische Naturlandschaften wie aus dem Bilderbuch erwarten den Besucher.

Mein Nationalpark (Mai 2026):  Mein Ziel heißt Odda, ein Industriestädtchen am südlichen Ende des Sorfjordes in der norwegischen Provinz ("Fylke") Vestland. Der Ort ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht ganz so einfach zu erreichen. Ich bin aus Oslo kommend an der Station Voss der Bergenbahn in einen Bus umgestiegen, der mein Ziel durch die atemberaubende Landschaft der südwestlichen Fjorde ansteuert. Der breite Hardangerfjord wird über eine mächtige Stahlhängebrücke gequert und kurz darauf verschwindet die Reichsstraße 13 in einem Tunnel, wo der beeindruckte Reisende einen riesigen, inmitten des Berges befindlichen Kreisverkehr bestaunen kann. Vom östlichen Ufer des vergleichsweise schmalen Sorfjordes sieht man das erste Mal den Nationalpark - der schneebedeckte obere Bereich der über 1000 m hohen Hänge ist Teil des Schutzgebietes. 
Odda am Südende des Sorfjordes mit den östlichen Abstürzen des Nationalparks


So idyllisch Odda am Sorfjord auch liegen mag - bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Natur der Gegend als verpestet und das Fjordwasser als gesundheitsschädlich. Hier war einst die weltweit größte Karbidproduktion zuhause, später folgten Cyamid und andere Düngemittel, und die Abwässer schädigten das Meerwasser des Fjordes. Mittlerweile sind diese Probleme behoben und ein Teil der Werke geschlossen, der industrielle Charakter des Ortes blieb.
Um zum Gletscher zu gelangen, heißt es zuerst das südlich von Odda gegen Westen ansteigende Buar-Tal hinter sich zu bringen. Das Sträßchen passiert rotgetünchte Holzgehöfte, grasende Kühe und seitlich einmündende Wildbäche. Hinter dem Parkplatz beginnt der eigentliche Wanderweg entlang des Gletscherbachs. Steil und schlüpfrig, über kleine Stege und zahlreiche leichte, mit Seilen gesicherte 
Kletterstellen geht es dem bereits gut sichtbaren Gletscher entgegen. Eine achtköpfige polnische Mädels-Gang, alle zwischen 50 und 60 und bester Laune, blockiert eine schmale Hängebrücke für spektakuläre Selfies. Ich warte geduldig, bis alle durch sind und ernte dafür ein selbstgemachtes Cookie aus der Jausenbox. 
Direkt vor der untersten Gletscherzunge, vom Eisschild nur durch einen reißenden Wildbach getrennt, endet der Wanderweg. Die Stelle wird auf der Karte als "Buarbreen" bezeichnet. Obwohl nur 750 m über dem Meeresspiegel gelegen, zeigen sich hier karge und schroffe Landschaften wie in den Hohen Tauern auf 3000 m Seehöhe.
So ist das hoch im Norden: Waldgrenze bei 600 m, Gletscherbeginn nur knapp drüber. Von beinahe schwarzen Granitwänden begrenzt wälzt sich der steile, zerfurchte Eiswall über einen hunderte Meter hohen Abhang herunter.  Die Oberfläche ist von zahlreichen Spalten und Brüchen zerrissen, an der untersten Stirn haben sich Gletscherhöhlen gebildet. 

Das Eis glitzert verführerisch. Die Nationalparkverwaltung weiß das offenbar und hat hier einige Tafeln anbringen lassen: "Entering the glacier without a certified mountain guide ist strictly prohibited!"  Außerdem müsste zu diesem Zweck irgendwie der vom oberen Bereich herabstürzende, 10 m breite Gletscherbach gequert werden. Ich suche nach einer Übertrittsmöglichkeit und werde 100 m tiefer tatsächlich fündig - hier bieten sich an einer versteckten Stelle einige große flache Steine an, die mit viel Vorsicht eine Überquerung möglich machen. Ich möchte den Gletscher gar nicht betreten, aber immerhin dringe ich so bis zum Rand vor. Ein kühler Hauch streicht das Eisfeld herunter. 
Der drittgrößte Festlandgletscher Norwegens








Der Folgefonna ist riesig - mit über 214 km2 Fläche der drittgrößte Festlandgletscher des Landes. Auch in Norwegen ziehen sich die Gletscher auf Grund des Klimawandels zurück. Die nationale Wasser- und Energiebehörde führte 2022 eine Untersuchung durch, wonach alle 33 untersuchten Eisfelder dramatisch geschrumpft sind. Es gibt Prognosen, denen zufolge bis 2060 die Hälfte der Gletscher im Land verschwunden sein werden. 
Dicht an einem Felsabsturz steht eine kleine blaue Holzhütte wie eine Trutzburg. Es handelt sich um den Stützpunkt eines Tourenanbieters. Die Hütte ist noch versperrt, denn die Saison für Gletscherführungen beginnt leider erst Mitte Juni. Hinter der Hütte zieht ein undeutliches Steiglein über die steilen Blockhalden aufwärts. Je höher ich steige, desto großartiger ist der Ausblick. Eine ebene Felsplatte eignet sich hervorragend als Rast- und Aussichtsplattform, um völlig allein das Panorama wirken zu lassen: Der dramatische Gletscher, die schwarzen Granitwände und der Blick durch das "Buerdalen" hinunter bis fast zum Fjord. 
Am folgenden Tag bin ich neuerlich im Buerdalen unterwegs. Vom Parkplatz zweigt südlich  ein markierter Weg zu einem Felsrücken namens "Reinanuten" ab. Die Route ist steil, aber immerhin gewinnt man so schnell an Höhe. Von hier oben öffnet sich dann eine großartige neue Perspektive auf den Gletscher, man überblickt besser seine riesigen Ausmaße. Beim Abstieg habe ich das Glück, kurz ein Auerhuhn aufflattern zu sehen. Auf jeden Fall ein ausgesprochen besuchenswerter Nationalpark, dieser Folgefonna! 















Gehöfte im "Buerdalen"

Bewertung: 

Größe:   8
Bedeutung/Naturschutz:   7
Highlights:   7
Wildnis - Feeling:   9
Service:   6
Öffentliche Erreichbarkeit:   5

Meine Bewertung:    7 , 0






Das Gebiet:  Wie ein großer Keil schiebt sich die Folgefonna-Halbinsel zwischen den Hardangerfjord im Westen und Norden und dem Sorfjord im Osten. Der Bergrücken ist beinahe durchgehend durch den mit 200 km2 drittgrößten Festlandgletscher Norwegens bedeckt. Eigentlich sind es drei getrennte Gletscherteile: Norfonna, Midtfonna und Sorfonna.  
Zwergsträucher am Gletscherrand
Interessanterweise ist dieser Gletscher kein Rest der Eiszeiten. Nach dem Ende der letzten schmolz das Eis hier komplett ab und begann sich erst während einer Kaltzeit vor 2500 Jahren neu zu bilden.  Die Fläche des Nationalparks beträgt sogar 545 km2, die einsamen Bergregionen und tief eingeschnittenen, bewaldeten Täler ringsum sind ebenfalls geschütztes Gebiet. Das häufigste Säugetier ist der Rothirsch, in den oberen Regionen leben einige Brutpaare des Kaiseradlers.  In den Tälern in Fjordnähe wachsen verfilzte Laubwälder mit Ahorn, Eichen und Ulmen, über der Waldgrenze ab 600 - 700 m trifft man nur mehr auf Zwergsträucher und vereinzelte Birken. 
Etwa in der Mitte des Gebietes wird das Massiv zwischen Austrepollen und Odda von einem 11 km langen Autotunnel, dem "Folgefonntunnelen",  unterquert, der auch vom Direktbus Odda - Bergen benützt wird. 
Odda ist ein guter Ausgangspunkt für den Folgafonna-Nationalpark







































Service und öffentliche Erreichbarkeit: Der Nationalpark kann von einigen Fjordorten zu Fuß erreicht werden: Odda am Sorfjord, sowie Sunndal, Aenes und Rosendal am Hardangerfjord. 
Ich dürfte mit Odda den günstigsten Stützpunkt gewählt haben, mehrmals täglich verbindet ein Bus den Ort mit Bergen (3 h Fahrzeit) sowie Voss an der Bergenbahn (2 h) und in 3 - 4 h ist der 
Am Busbahnhof in Odda


Gletscher zu Fuß erreicht.  In Odda stehen einige Hotels und Hostels zur Verfügung, sämtliche im atemberaubenden norwegischen Preisniveau gelegen. Das "Blue house dormitory", wo ich nächtigte, ist eine angenehme moderne Wanderherberge im Ortszentrum mit 12-Betten-Schlafsaal.  Geführte Gletschertouren können ab Juni in der Touristeninformation am Busbahnhof gebucht werden. Auch außerhalb des Nationalparks gibt es attraktive Ziele: Etwa die spektakuläre Felsnase "Trolltunga" als geführte Wanderung oder als Via Ferrata (Schwierigkeit : C) mit Guide und Ausrüstung. Genau das hatte ich ursprünglich geplant,  leider war dieses Ziel während  meines Aufenthalts auf Grund eines Felssturzes gesperrt.
Trolltunga (Bild: Internet)











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