49. EXMOOR NATIONALPARK , SOMERSET UND DEVON , UNITED KINGDOM

 

EXMOOR NATIONAL PARK , England , Großbritannien

Größe:   692 km2
Gegründet:   1954
Besucht:   Dezember 2025

Der Bristol channel bildet die nördliche Parkgrenze










Charakteristik:   Mittelgroßer Nationalpark an den Ufern des Bristol Channel, wo am "South West Coast Trail" schöne Küstenwanderungen hoch über den Uferfelsen möglich sind . Die Hügel und Hochflächen bestehen aus sumpfiger Heidelandschaft, wo halbwilde Ponys umherstreifen.



Der nördliche Teil des Nationalparks lässt sich am South west coast Trail erwandern





















Mein Nationalpark:  Minehead ist ein hübscher Badeort am Bristol Channel im nördlichen Somerset. Gleichzeitig ist es der Startpunkt des "South west coast trails", dem längsten britischen Weitwanderweg, der von hier südwestlich durch den Exmoor Nationalpark führt, in der Folge ganz Cornwall umrundet und nach über 1000 km in Pool Harbour in Dorset endet. Sogar ein eigenes Denkmal ist ihm gewidmet, es ist gleich an seinem Beginn an der Hafenpromenade in Minehead zu 
Ein Denkmal für einen Wanderweg
bewundern. Noch ist das angekündigte Schlechtwetter nicht eingetroffen, die Morgensonne bricht gelegentlich durch und läßt die Ufer des Bristol Channel geradezu aufleuchten. Hier in Meeresnähe wächst knorriger Wald mit Eichen, Föhren und Haselgestrüpp, durch den sich der Trail in Richtung Hochfläche windet. Oben trete ich aus dem Wald heraus und blicke weit über den Bristol Channel zur walisischen Küste hinüber. Es sollte der einzige klare Fernblick für viele Stunden bleiben, denn eine Viertelstunde später fällt plötzlich Nebel ein und die Sichtweite fällt unter 50 Meter. Das ist zwar schade, aber andererseits ; England im Dezember, was denn sonst? Wald gibt es hier oben keinen mehr, ich wandere durch gelbbraune Moor- und Heidelandschaften und versuche, im Nebel nicht den Weg zu verfehlen. Ein kleiner Hund taucht aus dem Zwielicht auf, schnuppert an meinem Bein und wendet sich dann schwanzwedelnd zu seinem Frauchen um. Die Lady ist tatsächlich im kurzärmeligen T-Shirt unterwegs, als wolle sie demonstrieren, was Briten so alles aushalten. Wir unterhalten uns eine Weile über das offensichtliche - Nebel, Wind und schade weil keine Aussicht. "Keep an eye out for the ponies, I saw a small herd further ahead".  Darauf freue ich mich - vor einem Jahr habe ich welche im Dartmoor angetroffen, keine 50 km von hier entfernt.  
Heide, Moor und Nebel
Trotz fehlender Aussicht gefällt mir es mir hier ähnlich gut wie damals im Dartmoor. Die aus den wabernden Nebelschwaden auftauchenden Ginsterbüsche und einzelnen knorrigen Bäume haben etwas Geheimnisvolles und Ausgesetztes an sich.  Vor meiner Reise habe ich einen Artikel über das "Beast of Exmoor" gelesen. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes "kryptozoologisches" Phänomen. In den 70 er Jahren tauchten in England Geschichten über eine riesige Katze von der Größe eines Pumas auf, die im Exmoor Nationalpark bei Nacht und Nebel umherstreifen soll. Ein Farmer behauptete damals, innerhalb von 3 Monaten über 100 Schafe durch die Bestie verloren zu haben. Ein wissenschaftlicher Nachweis für das Monster konnte nie erbracht werden, dennoch hält sich die Legende in der Region bis heute. Um es vorwegzunehmen: Auch ich hab das Vieh nicht gesehen.  






Die Exmoor-Ponys allerdings sehr wohl. Im selben Moment, als der Nebel etwas aufreißt und den Blick auf das Porlock Valley und den Bristol Channel freigibt, laufe ich fast in die kleine Herde hinein. Eines der Tiere steht mitten am Weg, weitere drei oder vier fressen von den Büschen daneben. Diese kommen mir deutlich größer und weniger pummelig vor als ihre Kumpels im Dartmoor, sie geben sich aber gleichermaßen unbeeindruckt von umherwandernden Menschen. Natürlich bin ich es, der durch den Stechginster neben dem Wanderweg ausweicht, nicht umgekehrt. Mit einem Stockmaß von bis zu 130 cm zählen die Tiere zu den größeren Ponyarten. Hier im Exmoor stellen sie die am längsten zurück verfolgbare wilde Pferdepopulation Europas dar. 
Das Porlock Valley und die gegliederte Küste des Bristol channel vom Bossington Hill








Eine Tafel weist zum "Bossington Hill". Trotz trübem Wetter lässt sich das 300 m tiefer liegende, fruchtbare Porlock Valley gut einsehen, geradeaus streift der Blick nach Westen die Küste entlang. 
Ein schönes Jausenplatzerl, wenn es nicht gerade zu regnen begonnen hätte. 
Aussicht vom Hurlstone Point
Ein schmaler Pfad führt vom Bossington Hill weiter in Richtung "Hurlstone Point", einer felsigen Landmarke 300 m über dem Meer.
Unterhalb einer Felsnase brechen fast senkrechte Klippen zum Bristol Channel ab, tief unten branden dessen Wellen schäumend ans steinige Ufer. Der Nebel ist nun verschwunden. Von hier lässt sich gut erkennen, wie sich der Bristol Channel gegen Westen meeresartig verbreitert, bevor er 30 km weiter in die Keltische See mündet. Mein Weiterweg nach Porlock führt mich vorerst den selben Weg zurück, bis ein Wegweiser "Porlock - Allerford"  mich talwärts schickt. Wieder geht es durch knorrigen, vermoosten Eichenwald, dann steht man plötzlich inmitten eines Weilers: Allerford. Einige  malerische Cottages und die kleine "Lynch chapel of Ease" mit angebauter Scheune säumen die Strasse nach Porlock. 
Kuriose Mischung aus Farm und Kirche: Lynch chapel of Ease









Wo könnte es hier zur Bushaltestelle gehen? Eine einzelne Gestalt mit Rucksack und Regenjacke kommt mir entgegen. "I `m sorry, but there`s no bus-service to Minehead today". Etwas verwirrt zeige ich ihm auf meinem Handy den bereits zuhause heruntergeladenen Fahrplan. Er scrollt herum und zeigt dann auf einen versteckten Vermerk, der mir leider entgangen ist: "Monday to Friday". Heute ist Sonntag. 
Als nach 3 Meilen die Hälfte des Rückmarsches entlang der Landstraße  nach Minehead  geschafft ist, hält in der einbrechenden Dämmerung neben mir ein Wagen und die Fahrerin winkt mich ins Innere. "In weather like this not even a dog should be on the road.." Doch die Art und Weise, wie sie den nassen und schmutzigen Passagier im Rückspiegel mustert, lässt mich vermuten, dass ihr ein nasser Hund im Auto lieber gewesen wäre...

Bewertung:

Größe:   7
Bedeutung/Naturschutz:   5
Wildnis - Feeling:   4
Highlights:   6
Service:   5
Öffis:   4
Meine Bewertung:    5 , 1











Das Gebiet:   Eine langgezogene Hügelkette mit Steilabbrüchen zum Bristol Channel reiht sich zwischen Minehead und Infracombe aneinander. Südlich davon verläuft das Porlock Valley weitgehend parallel von Ost nach West, hier verläuft die Landstraße und verbindet Minehead mit den Nationalpark-Gemeinden Porlock und Lynton.  Den südlichen Teil des Schutzgebietes bilden die Beacon Hills mit der höchsten Erhebung im Exmoor: Dunkery Beacon mit 519 m Seehöhe. In den tieferen Lagen wächst knorriger Eichenwald, die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für moos- und flechtenüberzogene Baumstämme. Auf den Hochflächen und Hügelkuppen trifft man auf ausgedehnte Moorheide-Landschaften.  Ähnlich wie auf der nahen Halbinsel Cornwall sorgt der gelb blühende Stechginster für markante Farbeffekte. In der Tierwelt ist neben den Exmoor-Ponys vor allem Rotwild vorherrschend, einst war das Gebiet königliches Jagdrevier. 
Am Tall Trees Trail
An meinem zweiten Tag im Exmoor wanderte ich den "Tall Trees Trail" bei Dunster entlang, nur wenige Kilometer von Minehead entfernt im östlichsten Teil des Nationalparks. Hier ragen die angeblich höchsten Bäume Englands in den Himmel, Douglas-Fichten mit Wipfelhöhen von über 60 Metern.  Weitere Höhepunkte des Parks, für welche mir leider nicht genügend Zeit blieb, liegen ganz im Westen nahe beieinander: Das "Valley of Rocks" mit seinen spektakulären Steilklippen und die "Lynton & Lynmore Cliff Railway".  Diese historische Standseilbahn wurde 1890 für den Personen- und Warentransport errichtet und ist bis heute in Betrieb. 
Lylon &Lynmore Cliff Railway /Bild: Internet)
Service und Öffis:   Das Exmoor ist zwar nicht überlaufen, aber dennoch eine Tourismus-Region. So findet man ausreichend Unterkünfte am Rande oder direkt im Nationalpark. Minehead ist ein guter Standplatz für den östlichen Teil des Gebietes, hier nimmt der "South West Coast Trail"- Weitwanderweg als Klippenpfad seinen Anfang. Farbmarkierungen sind kaum zu sehen, im Abstand von einigen hundert Metern trifft man auf Wegweiser. Bei Dunster steht auch ein Nationalparkzentrum zur Verfügung. 
Minehead war in den guten alten Zeiten mit der West Somerset Railway von Taunton aus erreichbar. Mittlerweile ist diese Verbindung auf einige touristische Züge in der Sommersaison beschränkt. Der öffentlich Reisende ist nun auf dieser Strecke auf Busse angewiesen. Taunton ist aus London Paddington mit der Bahn in 2-3 Stunden erreichbar, die Busfahrt dauert dann nochmals eine Stunde. Um in den westlichen Teil des Parks zu gelangen, nimmt man von Taunton oder Exeter den Zug nach Barnstaple, um dann wieder mit Bussen die Orte Lynmouth und Lynton beim "Valley of Rocks" zu erreichen
Bahnhof der West Somerset Railway in Minehead, mittlerweile nur mehr eine saisonale Touristenbahn



















Einsame Küstenlandschaften am Bristol Channel


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