51. NATIONALPARK CINQUE TERRE , LIGURIEN, ITALIEN
| Das auf einem Felssporn gelegene Vernazza ist wohl das beliebteste Fotomotiv der Cinque Terre |
NATIONALPARK CINQUE TERRE , LIGURIEN, ITALIEN
Größe: 38,60 km2
Gegründet: 1999
Besucht: Februar 2026
Charakteristik: Der kleinste Nationalpark Italiens ist weltberühmt und zugleich eines der Tourismus-Hotspots des Landes. Fünf malerische Dörfer liegen aufgereiht entlang der Steilküste zwischen Levanto und La Spezia an den Mündungen enger Täler: Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore. Aussichtsreiche Wanderwege verbinden sie untereinander und entlang der autofreien Küste verläuft eine ebenso spektakuläre Bahnstrecke. Zwischen März und November drängen sich unglaubliche Touristenmassen in den engen Dorfgassen und entlang der Wanderwege, nur während der Wintermonate lässt sich dieser bezaubernde Mix aus Natur, Architektur und mediterranem Ambiente mit Muße genießen.
Mein Nationalpark (Februar 2026): Die einzelnen Teilstücke der die Dörfer verbindenden Wanderwege sind nach Farben benannt. Dieser 3,3 km lange Abschnitt zwischen Vernazza und Corniglia heißt "Sentiero Azurro", Der Ausblick von den Steilstufen nach Vernazza zurück ist wahrscheinlich das beliebteste Motiv in den Cinque Terre. Auf dem schmalen Felsriegel drängen sich die bunten Häuser, dahinter die felsige Küste mit Monterosso al Mare und die tiefblaue Ligurische See.
Jetzt im Winter lässt sich der wahre Zauber dieser Küste erfahren. Zweimal bin ich hier bereits gewandert, beide Male im Frühling. Und beide Male war sowohl in den Dörfern als auch an den Wegen kaum ein Durchkommen möglich, keine freien Betten und kaum Platz in den Lokalen. Heute bin ich fast alleine unterwegs, bis auf das deutsche Pärchen, das mich eben überholt und gestern Abend in der Taverne in Vernazza am Nebentisch gesessen hat. Für mich ist dieser Abschnitt der schönste von allen.
Nachdem der erste Aufstieg überwunden ist, geht es in beständigem Auf und Ab 200 Meter über dem Meer dahin. Der Weg passiert Steineichenwäldchen, Erdbeerbäume, Flächen mit Ginster- und Heidekrautbewuchs. An den felsigen Abschnitten wachsen oftmals Feigenkaktusse. Mich erstaunt, dass auf und neben den Wegen, die während des Sommers von Abertausenden Wanderern frequentiert werden, keinerlei Müll herumliegt. Die Nationalparkverwaltung führt offenbar regelmäßige Säuberungsaktionen durch. Corniglia taucht in der Ferne im Sichtfeld auf, oben auf der Kuppe eines weit ins Meer vorspringenden Felssporns ducken sich die Häuser. Hier sind die Hänge terrassiert und beherbergen Oliven- und
Zitronenpflanzungen. Aber auch ein Bildhauer hat sich diesen himmlischen Platz zur Inspiration ausgesucht. In seinem Terrassengarten neben dem Wanderweg sind verschiedene Skulpturen ausgestellt, einige Statuen und ein Ensemble aus überdimensionalen Würfeln. Der Meister selbst genießt eben vor seinem Häuschen ein Glas Rotwein mit Meeresblick. Er grüßt freundlich zurück, ein Luxus, den er sich während der Sommermonate bei vielen tausend vorbeihastenden Touristen wohl nicht gönnt.
In einem verwachsenen Winkel überquert der Wanderweg über eine alte Steinbrücke einen kleinen Bach, der in Kaskaden in Richtung Meer stürzt. Das moosüberzogene Bachbett sieht spannend aus, zwischen dichtem Gebüsch durchschlüpfend ist es rasch erreicht. In leichter Kletterei steige ich höher. Hier ist es schattig, kühl, geheimnisvoll. Die kleine Exkursion lohnt sich, ich entdecke zwei Eidechsen und einen kleinen Frosch.
Corniglia wirkt ausgestorben, alle Bars sind geschlossen. Der nächste Wegabschnitt führt kurvenreich zumeist durch Weingärten, knapp oberhalb am Hang verläuft die Strada Provinciale, welche die Cinque Terre Dörfer miteinander verbindet. Die Route umrundet eine Reihe von weit geschwungenen Tälern und passiert den hoch gelegenen Weiler Volastra, weshalb es über 2 Stunden dauert, bis das nächste Dorf erreicht ist: Manarola, vielleicht der reizendste der fünf Orte.
Die bunten Häuser am Hafen drängen sich zwischen steilen Klippen, an den Rändern der engen Hauptgasse warten eingewinterte Fischerboote auf den Frühling. Direkt an der Hafenmauer stehen kleine Tische vor einer kleinen Bar. Was für ein Platz, um einen Espresso zu trinken, während man den Möwen und der Gischt an den Wellenbrechern zusieht. Was man jetzt während des Winters erleben kann, ist die Essenz dieses einzigartigen Landstrichs. Nicht die unberührte Natur steht im Mittelpunkt, die gibt es hier bereits lange nicht mehr. Dieser Abschnitt Liguriens ist seit vielen Jahrhunderten besiedelt und bewirtschaftet. Thema dieses Nationalparks ist die Harmonie zwischen Meer, Klippen, mediterraner Kulturlandschaft und malerischer Fischerdorf-Architektur der Cinque Terre-Orte, die man am besten beim langsamen Wandern von Dorf zu Dorf genießen kann.
Bis dann ab Anfang März wieder die Massen einfallen.
Bewertung :
Größe: 2
Bedeutung/Naturschutz: 6
Highlights: 9
Wildnis-Feeling: 3
Service: 8
Öffis: 10
Meine Bewertung: 6 , 3
Die Cinque-Terre-Bahn
Bis in die Mitte des 19.Jahrhunderts lagen die Cinque Terre in beinahe völliger Abgeschiedenheit. Die Bewohner lebten vom Fischfang und ein wenig Landwirtschaft in den engen Tälern. Die mittleren Ansiedlungen Vernazza, Corniglia und Manarola waren ausschließlich über das Meer und durch Eselspfade untereinander und vom Hinterland aus erreichbar. Im Jahr 1874 wurde dann die Bahnlinie La-Spezia - Sestri Levante eröffnet und änderte alles. Plötzlich waren in kurzer Zeit La Spezia oder Genua erreichbar, man war von heute auf morgen Teil der modernen Welt geworden. Zwischen
La Spezia und Levanto fährt die Bahn fast durchgehend durch Tunnels und taucht nur in den Bahnhöfen wieder ins Freie, dazwischen blitzt immer wieder mal die Ligurische See durch kurze Sichtfenster auf.
Alle fünf Bahnhöfe sind spektakulär angelegt und eine Sehenswürdigkeit für sich, mal mitten in den Dörfern, mal halb im Berg oder neben dem Meer gelegen.
| Corniglia |
| Vernazza |
| Monterosso al Mare |
ist hauptsächlich das Verdienst des Nationalparks, der 1999 aus genau diesem Grund eingerichtet wurde. Die harmonische Einheit aus Uferlandschaften und nahezu ursprünglichen Fischerdörfern brachte die Region auch in den Status eines Weltkulturerbes der UNESCO. Das dringlichste Problem stellt momentan der Übertourismus dar. Im Jahr 2023 wurden vier Millionen Besucher verzeichnet, während dem gegenüber die gesamte Region nur 3500 Einwohner aufweist.
Service und Öffis: Aus diesem Grund reicht die verfügbare Bettenanzahl während der Saison bei weitem nicht aus, obwohl beispielsweise die Plattform booking.com über 170 Unterkünfte in den Cinque Terre anbietet. Die meisten Touristen kommen, um mindestens einen Teilabschnitt der berühmten Wanderwege zu absolvieren. Einige davon, wie der Sentiero Verde, der Sentiero Azurro oder die "Via del Amore" sind ab März kostenpflichtig. Es werden unterschiedliche Tagestickets, entweder als reines Wander-Permit oder in Kombination mit Bahnnutzung, in den Parkbüros und Bahnhöfen angeboten. Die Wege sind hervorragend ausgebaut, aber teilweise recht steil und abschüssig, deshalb führt die Nationalparkverwaltung angeblich auch stichprobenartige Überprüfungen des geeigneten Schuhwerks durch - ich selbst habe das allerdings noch nie erlebt. Die gesamte Strecke von Monterosso al Mare nach Riomaggiore sollte in 6 bis 7 Stunden zu schaffen sein.
| Geschlossenes Kartenhäuschen im Winter |

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