55. NATIONALPARK HARDANGERVIDDA, NORWEGEN
Größe: 3422 km2Gegründet: 1981Besucht: Mai 2026
| Kahle und abgeschliffene Berggestalten im westlichen Nationalpark |
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| Auf der Hochfäche der Hardangervidda |
Charakteristik: Das ausgedehnteste Hochplateau Europas befindet sich in Südnorwegen zwischen Oslo und Bergen. 3422 km2 davon sind Teil des Hardangervidda Nationalparks, dem größten seiner Art in Norwegen und einer der größten des Kontinents. Zwischen durchschnittlich 800 und 1100 m Seehöhe findest du moorige, baumlose und menschenleere Landschaften.
Mein Nationalpark (Mai 2026):
Vom Fjord auf die Hochfläche:
Dieser Nationalpark ist dermaßen riesig, dass man mehr als 1 Woche dazu benötigt, ihn zu durchqueren. Diese Zeit habe ich nicht, ich möchte die Wanderung vom Meeresniveau bis auf die Hochfläche und zurück in eine Tagestour packen. Das geht nur über wenige Routen, eine davon ist das Husedalen bei Kinarvik über den "Weg der vier Wasserfälle". Der Frühbus aus Odda hält am Hafen, von dem sich d er Ort Kinarvik den Hang hinauf erstreckt. Nach einer Stunde passiere ich den noch leeren Wanderparkplatz. Allmählich wird das Husedalen enger, rechts unten brausen die Wassermassen des Flusses Kinso Richtung Fjord. Auf der Forststrasse begegnet mir eine vielköpfige Jugendgruppe, anscheinend am Rückweg von einer Schulwanderung. Donnerwetter, die müssen aber früh bei ihrer Hütte aufgebrochen sein, es ist noch nicht mal 8h. Am Ende der Fahrstraße steht das "Kinso-Kraftverk", erbaut im Jahr 1917, dahinter stürzt der unterste der vier Wasserfälle donnernd herunter - der "Tveitafossen". 
Entlang des meterdicken Fallrohres geht es nun steil den Waldhang empor. Nach der 110 m hohen Wasserfallstufe informiert ein Schild den Wanderer, dass er sich nun im Nationalpark Hardangervidda befindet. Vor mir stürzt der nächste Wasserfall zu Tal, er heißt "Nyastalfossen". Hier zeigt sich die permanente Luftfeuchtigkeit, für den die Wassermassen sorgen, an den Flechten der Bäume und an der dicken Bemoosung des Waldbodens. Der Pfad führt stets in Sichtweite des Kataraktes steil bergan.
| Nyastalfossen |
ausschließlich oberirdische Entwässerung des gewaltigen Plateaus.
Viele Wegkehren später betrete ich die geneigte Hochfläche, vom dichten Wald der Täler ist hier keine Spur mehr zu bemerken. Baumlose, sumpfige Grasflächen, hie und da ein Schneefeld, von ehemaligen Gletschern abgeschliffene Rundberge. Mein Ziel und geplanter Umkehrpunkt ist die erste Touristenhütte am Plateau - die DNT Stavali. Sie bietet sich als erster Stützpunkt beim ambitionierten Vorhaben einer West-Ost Durchquerung an. Leider zieht sich der Weg bis dahin viel länger als gedacht. Ein norwegischer Wanderer, der mich in deutlich rascherem Gehtempo überholt, spricht von noch gut 2 1/2 Stunden bis zur Hütte. Er möchte dort übernachten und morgen seine Tour fortsetzen. Ich überschlage kurz die Zeiten und komme zum Schluss, dass ich den letzten Bus von Kinarvik nach Odda unmöglich erreichen kann, wenn ich bis zur Hütte weitergehe, außerdem verschlechtert sich eben das Wetter.
So genieße ich noch eine Stunde lang müßig die Einsamkeit der Hochfläche, sehe Raubvögeln bei ihren Segelkunststücken zu und umrunde einen der vielen kleinen Seen, die hier im sumpfigen Grasland eingebettet sind, bevor ich mich im beginnenden Regen auf den Rückweg mache. Da noch sehr viele Nationalparks auf mich warten, plane ich jeweils nur einen einzigen Besuch ein. Doch eine achttägige Durchquerung der Hardangervidda.... das hätte vielleicht was.
Größe: 10
Bedeutung/Naturschutz: 6
Wildnis Faktor: 9
Highlights: 7
Service: 5
Öffis: 4
BEWERTUNG: 6 , 8
| Hängebrücke über den Kinso im inneren Husedalen |
Das Gebiet: Die Hardangervidda-Hochfläche im Südwesten Norwegens misst 8000 km2, davon sind 3422 km2 durch einen der größten Nationalparks Europas geschützt, nur wenig kleiner als das Burgenland. Drei Provinzen sind daran beteiligt: Buskerud, Telemark und Vestland. Die Bahnlinie Oslo - Bergen verläuft über weite Strecken parallel zur Nordgrenze des Parks, jedoch meistens einige Kilometer davon entfernt. Nur an wenigen Stellen reicht das Schutzgebiet bis nahe an Täler und Fjorde, etwa bei Eidfjord oder eben Kinarvik am Hardangerfjord. Es handelt sich um wildes, unbesiedeltes Hochland zwischen 800 und 1200 m Seehöhe, geprägt von sumpfigen Hochflächen, bedeckt von einer Unmenge kleiner Seen und Tümpel und glazial überschliffenen Berggestalten. Die höchste Erhebung bildet der Hardangerjokulen mit 1603 m Höhe. Als Teil des Skandinavischen Schilds ist diese gewaltige Rumpffläche hauptsächlich aus Gneisen, Glimmerschiefern und Quarzen aufgebaut. Die hier heimischen Bergrentierherden zählen zu den größten Europas.
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| Nächtliche Hardangervidda an der Bergenbahn |
Bei meiner Anreise mit dem Nachtzug Oslo - Bergen bewunderte ich die großartig-düstere Nacht-Stimmung der nördlichen Hardangervidda, denn um 3 Uhr morgens war es dazu ausreichend hell. Meine Rückfahrt unterbrach ich für einige Stunden im Bahnhof des kleinen Ortes Finse, um noch zum nördlichen Rand des Nationalparks zu wandern. Hier präsentiert sich das Gebiet noch unzugänglicher und spektakulärer als am Tag zuvor oberhalb des Husedalen. Diese riesige Region ist tatsächlich noch eine echte Wildnis.
Service und Öffentliche Erreichbarkeit: Der Hardangervidda - Abschnitt der Bahnlinie Oslo - Bergen gilt unter Eisenbahnfans zurecht als legendär. Mehr als 2 Stunden lang bewundert man, von zahlreichen Tunnel unterbrochen, die vorbeiziehende großartige Berglandschaft, unzählige kleine Seen und abgelegene Bahnhöfe durch die großen Panoramafenster. Dennoch eignet sich die Bergenbahn nur bedingt für den Besuch des Nationalparks, denn von den Haltestellen Geilo, Haugastol, Finse und Myrdal benötigt der Wanderer teils mehrere Stunden bis zum Beginn des Schutzgebietes, wohingegen der Autofahrer den Nationalpark über diverse Bergstraßen direkt erreichen kann. Norwegen ist leider auch nicht unbedingt überall ein Land der Öffis. Offizielle Wanderwege, in Norwegen zumeist mit einem roten "T" markiert, beginnen sowohl ab den Bahnhöfen der Bergenbahn als auch von zahlreichen anderen Randorten. Der "Vier-Wasserfall-Weg" von Kinarvik (Busverbindungen ab Voss oder Odda) vermittelt neben dem großartigen Panorama vor dem Hintergrund der stürzenden Wassermassen auch ein gutes Bild des langsamen Übergangs vom Meeresniveau am Hardangerfjord bis zum Hochplateau.







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