56. NATIONALPARK SKJOLDUNGERNESLAND , DÄNEMARK









NATIONALPARK SKJOLDUNGERNESLAND ,  SJAELLAND , DÄNEMARK

Größe:   170 km2
Gegründet:   2015
Besucht:   Mai 2026


Sanfte Natur am Roskilde-Fjord











Charakteristik:   Leicht geschwungene, zu seichten Nordseebuchten abfallende Salzwiesen, schattige Wäldchen, hinter dichten Hecken versteckte Gehöfte und verschlafene Dörfer - das ist der sanfte Nationalpark Skjoldungernesland im Einzugsbereich der Hauptstadt Kopenhagen. Einst war dieser Landstrich am Roskilde-Fjord die Heimat eines legendären Wikingerstammes: Der Skjoldungs. 






Mein Nationalpark:  (Mai 2026):  Am Rückweg meiner Norwegen-Reise bietet diese Region ein ziemliches Kontrastprogramm zur wilden Natur der Fjorde und Gletscher. Obwohl es hier ebenfalls Fjorde gibt, zumindest dem Namen nach. Der Roskilde - Fjord bildet das Zentrum dieses Nationalparks. Doch hier ist nichts schroff, überall dominiert Sanftheit, Lieblichkeit und Stille. 
Ich habe mir abgewöhnt, in Skandinavien Bargeld in der jeweiligen Landeswährung abzuheben, da man hier jede noch so kleine Ausgabe mit Karte bezahlt . Im Bus von Roskilde zum Park scheitere ich jedoch damit, entweder hat man die Nahverkehrs-App am Handy oder eben Bares. Ich biete dem freundlichen Fahrer vergeblich meine Euros an.. Eben im Begriff, wieder auszusteigen, winkt mich der nette Mensch ins Innere. "Sit down, no problem".  An der Roskilde-Bucht steige ich aus und gehe zum Ufer hinunter, wo zahlreiche Boote in der Dünung schaukeln. Dieser "Fjord" zieht 
Hier landete König Skjold


sich 30 km weit von der Nordsee-Region Kattegat ins Landesinnere. Laubwälder und grüne Salzwiesen umgeben ihn, die Hügel ringsum erreichen maximal 50 m Höhe. Hier befindet man sich am Schauplatz der Gründungslegende jenes Wikingerstammes, der dieser Gegend den Namen gab. 
"Es gab einst Hunger und Elend im Land um Lejre. Das Volk litt und bat Gott Odin um Hilfe. Eines Morgens glitt ein Schiff in den Roskilde-Fjord, ohne dass ein Mensch an Bord zu sehen war. Als das Boot ans Ufer stieß, blickten die Fischer über die Reling und entdeckten einen kleinen Jungen, der ganz allein auf dem Deck lag, umgeben von Schildern, Waffen und einer 
Getreidegarbe. Die Menschen glaubten, dieses Kind sei Odins Sohn, Sie erklärten ihn zu ihrem König - König Skjold (Schild). Er wurde groß und stark und führte sein Volk, die "Skjoldunger", zu Reichtum und Macht. Als er starb, legten ihn seine Untertanen wieder auf sein Schiff und ein sanfter Wind trieb dieses über den Fjord davon..." (Text aus der Website des Nationalparks).
Zumindest die "Skjoldunger" sind als Volk historisch belegt. Ausgrabungen bezeugen eine Wikinger-Kultur in dieser Region. Im Wikingermuseum bei Roskilde sind Ausgrabungsgegenstände und Nachbauten alter Wikingerboote zu bestaunen. 
Auf Feldwegen und schmalen Straßen bewege ich mich langsam in Richtung Norden zur weit in den Roskilde-Fjord hineinragenden Halbinsel Vesterskov. Die Gehöfte verstecken sich hinter dichten Hecken, sind aber offenbar noch bewirtschaftet, hie und da zieht ein einsamer Traktor seine Kreise.
Auf Vesterskov werden auf der Website des Nationalparks "urtümliche Wälder" angepriesen. Nun ja, es gibt hier Bäume.  Doch die vielen lauschigen Plätzchen am Meeresufer entschädigen für die fehlende Wildnis. Interessant finde ich das Phänomen der "Salzwiesen", die hier überall zu finden sind.























Salzwiesen sind Übergangszonen zwischen Meer und Land. In tropischen Gefilden bildet diese 
Überflutungszone dichte Mangrovenwälder aus, an Nord- und 
Ostsee gedeihen dagegen krautige, salzresistente Pflanzenarten (Halophyten).
Hier leben Krebse, Muscheln und Wattwürmer. Da heute ein heißer Tag ist, kremple ich die Hosenbeine auf und wate durch das matschige. seichte Wasser auf der Suche nach heimischem Getier. Weit draußen, wo das Wattwasser zum Herumwaten langsam zu tief wird, entdecke ich immerhin einige Muscheln am Grund und eine Schar Wildgänse, die ein Stück entfernt den Fjord überfliegt.

Ein Rückmarsch zur Bushaltestelle in weitem Bogen über die Dörfer "Herslev Sogn" und "Kattinge" soll diesen Nationalpark-Besuch beschließen.  Die von kleinen Wäldchen durchsetzten Felder schlummern unter dem Frühsommerhimmel, die Straßen der Dörfer sind menschenleer.  
"Kattinge Vaerk"








 Bei "Kattinge Vaerk" ist noch ein alter Verbindungskanal zwischen dem Fjord und einem kleinen Binnensee zu bewundern, das historische Schleusenhäuschen ist leider nicht zugänglich. Eine Katze döst am Ufer, ein einsamer Fischer scheint über seiner Angel eingeschlafen zu sein. 
Welch Gegensatz zur spektakulären Natur Norwegens nur zwei Tage zuvor! Und wäre da nicht der Nationalpark-Status, hätte ich wohl diese friedliche, stille und etwas langweilige Ecke in der dänischen Provinz nie im Leben besucht. 

Bewertung:

Größe:   5
Bedeutung/Naturschutz:   5
Highlights:   3
Wildnis-Faktor:   2
Service:   4
Öffis:   8

Meine Bewertung:    4 , 5



Das Gebiet:  30 Kilometer von der Hauptstadt Dänemarks entfernt, bildet die geschützte Bucht des Roskilde - Fjords das Zentrum des Nationalparks "Skjoldungernesland" (bedeutet: Land der Schildjungen). Salzwiesen und andere Übergangszonen vom Festland zum Meer bilden ein hochspezialisiertes Ökosystem.  Es ist ebenso ein Vogelparadies, etwa für Austernfischer und Seeadler. Das Land ist flach bis sanft-hügelig und birgt mehrere verschlafene Dörfer und hinter dichten Hecken versteckte Gehöfte.  Kleine, von Galeriewäldern begleitete Flussläufe und einige künstliche Kanalanlagen durchziehen die Landschaft. 
Service und Öffis:  Die Stadt Roskilde liegt wie Kopenhagen auf der Insel Seeland und ist aus der Hauptstadt zweimal stündlich mit der Bahn erreichbar.  Vor dem Bahnhof warten Lokalbusse, die Linie 207 fährt zum Roskilde-Fjord. Dänisches Bargeld ist im Bus nötig und erspart dem Reisenden die Abhängigkeit vom "good will" des Buslenkers.
Markierte Wanderwege gibt es offenbar nur entlang des Roskilde-Fjords. Die vorhandenen Erklärungstafeln über die sicherlich interessante Vogelwelt sind nur in dänischer Sprache abgefasst - sehr ungewöhnlich für dieses normalerweise weltoffene Land. 
Das "Land der Schildjungen"





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