57. NATIONALPARK WOLIN , POLEN

Größe: 109 km2Gegründet: 1960Besucht: Juli 2026
Charakteristik: Polens größte Insel Wolin liegt in der Ostsee unweit der Grenze zum deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Der nordwestlichste Teil der Insel ist bereits seit 1960 als Nationalpark ausgewiesen. Ein Stück Sandsteinkliff an der Ostsee, bewaldete Hügel im Hinterland und ein beeindruckender Aussichtspunkt auf das "Stettiner Haff" im Süden des Gebietes bilden die Höhepunkte des kleinen Gebiets. Dem gegenüber stehen Massentourismus rund um den Hauptort Misdroy und sehr eingeschränkte Wandermöglichkeiten im Schutzgebiet.

Vom südlichsten Aussichtspunkt bietet sich ein toller Blick auf den finalen Mündungsverlauf der Swine in die Ostsee
Mein Nationalpark (Juli 2026), der Norden: Einer der Zugänge zum Nationalparkgelände führt entlang der Promenade entlang des Misdroyer Sandstrands, vorbei an Liegestuhlreihen, Sonnenschirm-bedeckten Kleinfamilien und billigen Fressbuden. Ein einziger Alptraum. Am Ende des Badebereiches markiert eine Absperrung den Beginn des Nationalparks und bald kommt die hölzerne Stiegen-Anlage in Sicht, die über die bewaldete Klippe auf den knapp 100 m hohen Kaffeeberg führt. Oben weht ein angenehmes Lüftchen, die Aussicht auf die offene Ostsee ist nett. Ein markierter Weg führt in den Wald, hier dünnen sich die Menschentrauben schnell aus. Eine beschilderte Abzweigung weist den Besucher auf alte Bunkeranlagen hin. Es handelt sich um Überreste der polnischen Küstensicherung aus der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg und, noch etwas älter, ein ehemaliger Standort der Kadettenausbildung für die Deutsche Wehrmacht.Gleich der erste Bunker neben dem Wanderweg bleibt auch der einzig zugängliche. Einige Stufen geht es abwärts, durch eine halboffene alte Metalltür dringen die Stimmen einiger deutscher Touristen, die das alte Gemäuer erkunden. Vermodernde Metallpritschen in den alten Mannschaftsquartieren, museumsreife Elektroinstallationen, in manchen Abschnitten steht brackiges Altwasser. Eine Reihe
rostiger Metallklammern ermöglicht uns mit Hilfe der Handy-Beleuchtung das Erklimmen des höheren Stockwerks. Hier bietet sich dasselbe Bild. Feuchte, verwinkelte Gänge, alte Pritschen, die rostigen Reste einer kleinen Küche. Ein echter "lost place". Man sollte nur stets das Licht auf den Boden richten, denn manchmal tun sich darin unvermittelt Löcher auf. Weiter am Weg entlang stehen noch drei Bunker, die jedoch gut mit Zäunen abgeriegelt sind, an einer Stelle trifft man auf die Überreste eines FLAK-Fundaments. Die Anlagen bestanden nicht bis zum Ende des Kalten Krieges, sondern wurden bereits Ende der 60er Jahre aufgegeben."Abgeriegelt" sind nicht nur die alten Bunker, sondern der größte Teil des Waldes hier im Nationalpark Wolin, der im übrigen in verblüffender Weise den heimischen Buchen-Mischwäldern des Wienerwaldes gleicht. Hohe Zäune beiderseits der wenigen markierten Wege leiten die Besucherströme in engen Bahnen. Das ist einerseits schade für den Naturfreund, andererseits auch zu verstehen angesichts der Touristenmassen am nahen Strand. Das Betreten der Steilküste zur Ostsee ist ohnehin grundsätzlich verboten, zu verletzlich ist dieses Ökosystem auf den erosionsgefährdeten Sandsteinkliffs. In meinem Reiseführer wie auch im Internet wird das nahe Wisent-Gehege als Highlight hervorgehoben.Wenn man jedoch wie wir bereits die wild lebenden Wisente des Bialowieza- Urwald im Osten Polens erlebt hat, kann hier nur enttäuscht werden. Gerade mal zwei der angeblich 24 hier lebenden Tiere grasen momentan gelangweilt im kleinen Schauteil des Geheges. Wenigstens findet Karin durch Google-Suche heraus, dass den Tieren insgesamt ausreichend versteckter Platz zum Rückzug bleibt. Derartige Populationen, die es noch an einigen anderen Plätzen in Polen und Deutschland gibt, dienen eher als Zuchtstätten für den Erhalt der genetischen Vielfalt des Europäischen Wisents außerhalb seiner eigentlichen Rest-Heimat, dem Nationalpark Bialowieza. Auch die angrenzenden, eindeutig zu kleinen Gehege für Damwild und Wildschweine sind eher müde Angelegenheiten, in einer bedenklich engen Voliere fristet ein zerraufter Seeadler sein Dasein.
Der Süden: Für die Erkundung des südlichen Nationalpark-Bereiches am sogenannten "Stettiner Haff" bietet sich die Wanderung von Misdroy nach Lubin an. Die Strecke führt anfangs durch hübschen Buchenwald, bis die Markierung plötzlich den Wald verlässt, sich unschön am Straßenrand fortsetzt und diesen für einige Kilometer nicht mehr verlässt. Auch hier vertraut die Nationalparkverwaltung offenbar niemandem, der Wald ist hinter einem Maschenzaun gut verstaut. Beim Dorf Zalesie stoßen wir neben dem Weg auf eine kuriose Sehenswürdigkeit: Das "V3 Bunker-Museum" fällt durch lebensgroße Figuren von Wehrmachtssoldaten, ausgestellte Geschütze und weitere Relikte der Weltkriegsepoche auf. Es handelte sich um ein deutsches Projekt für den Bau der riesigen Superkanone V3 (Vergeltungswaffe 3), welche den Nazis den "Endsieg" sichern sollte. Hier auf der Insel Wolin wurden die deutschen Militärs im Jahr 1943 bei der Suche nach einem geeignetem Test-Gelände fündig. Grundsätzlich ist ja gegen eine interessante Geschichts-Aufarbeitung nichts einzuwenden. Doch insgesamt bekommt man hier das Gefühl nicht los, ein Reiseziel für Waffenfreaks und einen Wallfahrtsort für Ewiggestrige zu betrachten. Die Lady vom Staff läuft im gescheckten Tarn-Look herum, ein Spielauto für Kleinkinder ist als Panzer designt und das Schild vor dem Eingang wirbt dafür, dass ein Foto mit Maschinenpistole im Arm im Eintrittspreis inkludiert sei... nichts wie weg hier.
Am "Smaragdsee"
Einige Kilometer weiter auf der zum "Straßenhatscher" mutierten Wanderung wartet die nächste "Attraktion": Der Smaragdsee, welcher angeblich bei bestimmten Lichtverhältnissen smaragdfarben schillern soll. Beim Zugang knöpft uns eine Parkangestellte den Eintrittspreis von 10 Zloty (Euro 2,50) ab - in Polen sind Nationalparks grundsätzlich gebührenpflichtig. Beim See handelt es sich eigentlich um die geflutete Grube einer ehemaligen Sandgewinnung. Auch hier gibt es nur wenige Stellen, wo der Zutritt möglich ist, der Rest ist in bewährter Manier mittels Zäunen abgeriegelt.Der Weiterweg erfolgt wieder auf Waldwegen, vom Aussichtspunkt Paskowa Gora lässt sich in der Ferne das versumpfte Rückseiten-Delta der Swina erkennen, die ein Stück weiter nordwestlich bei Swinemünde in die Ostsee fließt.
Der Ort Lubin mit seiner hübschen Backsteinkirche bildet schließlich den südlichen Endpunkt der Tour. Auf einer weiträumigen begrünten Anhöhe 50 m über dem Stettiner Haff lädt ein Terrassenlokal mit toller Aussicht zu einer Kaffeepause ein. Das Haff wirkt von hier fast wie die offene See, nur ganz in der Ferne erkennt man bewaldete Ufer.Gegen Süden reicht das Haff beinahe bis zur namensgebenden Großstadt Stettin. Das weitläufige Wiesengelände birgt auch die Überbleibsel archäologischer Fundstätten aus dem Frühmittelalter, etwa die Reste eines alten Wohnturms. Wir stellen uns dicht an die Kliffkante. Unten kräuselt sich die Wasseroberfläche durch die Ausweichbewegungen eines großen Fischschwarms, der gleichzeitig von dunklen Kormoranen und weißen Raubmöwen bejagt wird. Die Kormorane landen am Rand des Schwarms, während sich die Möwen gezielt aus dem Flug ihre Beute aus dem Wasser holen. Eine halbe Stunde lang beobachten wir den wandernden Schwarm und dessen Jäger vor dem Hintergrund der grünen Sumpflandschaft, durch die sich die Swina in Richtung Ostsee schlängelt. Dieser tolle Platz versöhnt uns noch tatsächlich ein wenig mit diesem eigenartigen Nationalpark im Nordwesten Polens.
| Vom südlichsten Aussichtspunkt bietet sich ein toller Blick auf den finalen Mündungsverlauf der Swine in die Ostsee |
Mein Nationalpark (Juli 2026), der Norden: Einer der Zugänge zum Nationalparkgelände führt entlang der Promenade entlang des Misdroyer Sandstrands, vorbei an Liegestuhlreihen, Sonnenschirm-bedeckten Kleinfamilien und billigen Fressbuden. Ein einziger Alptraum. Am Ende des Badebereiches markiert eine Absperrung den Beginn des Nationalparks und bald kommt die hölzerne Stiegen-Anlage in Sicht, die über die bewaldete Klippe auf den knapp 100 m hohen Kaffeeberg führt. Oben weht ein angenehmes Lüftchen, die Aussicht auf die offene Ostsee ist nett. Ein markierter Weg führt in den Wald, hier dünnen sich die Menschentrauben schnell aus. Eine beschilderte Abzweigung weist den Besucher auf alte Bunkeranlagen hin. Es handelt sich um Überreste der polnischen Küstensicherung aus der Zeit unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg und, noch etwas älter, ein ehemaliger Standort der Kadettenausbildung für die Deutsche Wehrmacht.
rostiger Metallklammern ermöglicht uns mit Hilfe der Handy-Beleuchtung das Erklimmen des höheren Stockwerks. Hier bietet sich dasselbe Bild. Feuchte, verwinkelte Gänge, alte Pritschen, die rostigen Reste einer kleinen Küche. Ein echter "lost place". Man sollte nur stets das Licht auf den Boden richten, denn manchmal tun sich darin unvermittelt Löcher auf.
Derartige Populationen, die es noch an einigen anderen Plätzen in Polen und Deutschland gibt, dienen eher als Zuchtstätten für den Erhalt der genetischen Vielfalt des Europäischen Wisents außerhalb seiner eigentlichen Rest-Heimat, dem Nationalpark Bialowieza.
Auch die angrenzenden, eindeutig zu kleinen Gehege für Damwild und Wildschweine sind eher müde Angelegenheiten, in einer bedenklich engen Voliere fristet ein zerraufter Seeadler sein Dasein. | Am "Smaragdsee" |
Einige Kilometer weiter auf der zum "Straßenhatscher" mutierten Wanderung wartet die nächste "Attraktion": Der Smaragdsee, welcher angeblich bei bestimmten Lichtverhältnissen smaragdfarben schillern soll. Beim Zugang knöpft uns eine Parkangestellte den Eintrittspreis von 10 Zloty (Euro 2,50) ab - in Polen sind Nationalparks grundsätzlich gebührenpflichtig. Beim See handelt es sich eigentlich um die geflutete Grube einer ehemaligen Sandgewinnung. Auch hier gibt es nur wenige Stellen, wo der Zutritt möglich ist, der Rest ist in bewährter Manier mittels Zäunen abgeriegelt.
Der Ort Lubin mit seiner hübschen Backsteinkirche bildet schließlich den südlichen Endpunkt der Tour. Auf einer weiträumigen begrünten Anhöhe 50 m über dem Stettiner Haff lädt ein Terrassenlokal mit toller Aussicht zu einer Kaffeepause ein.
Gegen Süden reicht das Haff beinahe bis zur namensgebenden Großstadt Stettin.
Das weitläufige Wiesengelände birgt auch die Überbleibsel archäologischer Fundstätten aus dem Frühmittelalter, etwa die Reste eines alten Wohnturms. Wir stellen uns dicht an die Kliffkante. Unten kräuselt sich die Wasseroberfläche durch die Ausweichbewegungen eines großen Fischschwarms, der gleichzeitig von dunklen Kormoranen und weißen Raubmöwen bejagt wird. Die Kormorane landen am Rand des Schwarms, während sich die Möwen gezielt aus dem Flug ihre Beute aus dem Wasser holen. Eine halbe Stunde lang beobachten wir den wandernden Schwarm und dessen Jäger vor dem Hintergrund der grünen Sumpflandschaft, durch die sich die Swina in Richtung Ostsee schlängelt. Dieser tolle Platz versöhnt uns noch tatsächlich ein wenig mit diesem eigenartigen Nationalpark im Nordwesten Polens.
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