58. NATIONALPARK ÖRSEG , UNGARN

 




Größe:   439 km2
Gegründet:   2002
Besucht:   August 2026

Verfallene Gehöfte verstecken sich im Dickicht
























Charakteristik:   An seiner äußersten Westspitze besitzt Ungarn eine weithin unbekannte landschaftliche Perle : Den Örseg Nationalpark (Örsegi Nemzeti Park Igazgatosag).  Zwischen dem Fluss Raab, der die Grenze zu Österreich markiert und der slowenischen Grenze breiten sich mit dichtem Mischwald bewachsene Hügel aus, dazwischen liegen vergessene Dörfer, kleine Felder und winzige Bachläufe. Der Name "Örseg" bedeutet "Warte" und erinnert an die Zeit nach der "Ungarischen Landnahme" um das Jahr 1000, als die Landesherren hier eine System von kleinen Weilern mit Wächter-Funktion installierten, um das Grenzland gegen die weiter westlich, im heutigen Österreich siedelnden Bayern zu bewachen.
Mein Nationalpark:  Der Bus aus Szentgotthard entlässt mich an der Endstelle in Felsöszölnök. Es ist nur eines von dutzenden Dörfern im Örseg, und doch etwas besonderes. Die kleine Gemeinde ist das Zentrum der slowenischen Minderheit Ungarns, mehr als 60 % der 600 Bewohner bekennen sich zur slowenischen Sprache und Herkunft. Gleichzeitig ist es die westlichste Ortschaft des Landes. Feuerwache, Schule, Kulturhaus - alles ist zweisprachig ausgewiesen. Auch im kleinen Dorfladen, wo ich mich mich mit Getränken versorge, wird slowenisch gesprochen. 


Meine Frage nach dem Weg zum "Dreiländereck" Ungarn-Slowenien-Österreich scheitert vorerst an Verständigungsschwierigkeiten, dann verschwindet die Dame an der Ladenkassa im Hinterraum und kehrt mit einem ein wenig Deutsch sprechenden Mann zurück. 
Die Route führt in ein stilles Tal hinein. Hier stehen renovierte Häuser neben verlassenen, verfallenden Gebäuden. Vor einigen restaurierten Gehöften stehen Autos mit österreichischen und
Die traditionelle L-Form westungarischer Bauernhöfe ist hier häufig zu sehen


slowenischen Kennzeichen, vermutlich sind Immobilien in dieser vergessenen Ecke günstig zu haben. Je tiefer ich in das Tal eindringe, desto freundlicher wird die Landschaft. Der Anblick der sattgrünen Natur trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen tut dem Auge gut. 
Hinter dichtem Gestrüpp blitzt vorerst noch manchmal die Ruine eines aufgegebenen Bauernhofs hervor, dann endet die Besiedlung. Natürlich ist das Gebiet hier weit entfernt von einer ursprünglichen Wildnis, doch scheint sich die Natur Schritt für Schritt ihr Territorium zurück zu erobern. Verwachsene Hohlwege, manchmal eine eingestürzte, überwucherte Scheune, dazwischen hin und wieder eine Streuobstwiese. Dann taucht der Wanderweg in den Wald ein und beginnt
 anzusteigen. In den schattigen Gräben glitzert Wasser aus kleinen , halb verwachsenen Tümpeln. Dieses natürliche Reservoir stellt für Amphibien, kleine Säugetiere und Insekten eine Überlebensgarantie in trockenen Zeiten dar. Kurz vor dem Dreiländereck zwänge ich mich weglos durch dichtes Brombeergestrüpp zu einem solchen Tümpel hinunter. Libellen, Schmetterlinge und Frösche sind hier zu Hause, ein friedlicher, völlig naturbelassener Platz.
Das Dreiländereck ist eine 387 m hoch gelegene Anhöhe im äußersten westlichsten Zipfel des Landes. Im Dreieck sind die Fahnen Ungarns, Sloweniens und Österreichs angeordnet, ein Gedenkstein steht in der Mitte. Geradeaus führt der Weg hinab zu einem Parkplatz auf slowenischem Gebiet, auch in die burgenländische Gemeinde Minihof-Liebau könnte man weiter wandern.  
Der Bus nach Szentgotthard bedient auf der Rückfahrt noch ein weiteres von der Hauptstraße seitlich gelegenes Dorf: Szakonyfalu. Ich steige aus, um mich ein wenig umzusehen. Auch hier ein Gemisch aus renovierten und verlassenen Häusern, eine kleine alte Kirche, Gänse und Ziegen am Straßenrand.  Auch Szakonyfalu hat einen hohen slowenischen Bevölkerungsanteil, etliche Autokennzeichen sind slowenischer Herkunft. Hinter den letzten Gebäuden taucht man wieder ins Dunkel des Waldes ein. Entlang eines murmelnden Baches erreiche ich eine scheinbar alte Andachtsstätte an einer Waldwiese. Eine  von einem niederen Zaun umgebene verwitterte Felssäule trägt eine unleserliche Inschrift, ein etwas  rätselhafter Ort. Hier im Schatten eines Baumes diese sattgrüne Landschaft aufzusaugen, ist ein Genuss. Der Örseg ist ein außerhalb Ungarns praktisch unbekannter Landstrich - ein wenig zu unrecht, wie ich meine.


Bewertung:

Größe:   6
Bedeutung/Naturschutz:   6
Highlights:   3
Wildnis-Feeling:   4
Service:   5
Öffis:   7

Meine Bewertung:    5 , 1





Das Gebiet:
Vom westlichsten Punkt Ungarns erstreckt sich das Schutzgebiet etwa 25 km weit gegen Osten. Hauptort und Sitz der Nationalparkverwaltung ist Oriszentpeter. Im nahen Dorf Szalafo sind in einem Freilichtmuseum historische Gebäude aus der Region zu bewundern. Die Landschaft ist durchwegs hügelig und großteils bewaldet (60 % Waldanteil gegenüber 30 % im Landesschnitt).

  







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